Sollen die sächsischen Hamster gerettet werden, muss mit allergrößter Eile vorgegangen werden. Vor allem fehlt es den Hamstern an Deckung vor Feinden und im Spätsommer an ausreichend Futter, um Wintervorräte anzulegen. Eine gute Möglichkeit, ihnen zu helfen, sind sogenannte Hamsterstreifen, hamstergerecht bewirtschaftete Ackerstreifen von mehreren Metern Breite. Hier müssen bei der Ernte Stoppeln und Getreidereste verbleiben. Dann bieten diese Streifen den Hamstern Nahrung und Schutz vor Feinden. Sie dienen auch anderen Tieren – Vögeln und Hasen usw. – als Rückzugsräume und bereichern das Landschaftsbild. Auch der Anbau besonderer Hamsterleckerbissen wie Weizen, Hafer, Luzerne nützt den Hamstern. Im Rahmen des Hamsterprojekts von LaNU, NABU und Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V. werden solche freiwilligen landwirtschaftlichen Maßnahmen honoriert und von Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
Mittelfristig sollen im ganzen ehemaligen und aktuellen Hamster-Siedlungsgebiet um Delitzsch auf möglichst vielen Feldern Maßnahmen zum Hamsterschutz umgesetzt werden. Dazu gehören:
- Beschränkung der Bodenbearbeitung auf eine Tiefe von höchstens 25 cm.
- Anlage von Getreidestreifen, die nicht geerntet werden.
- Verzicht auf Feldarbeiten nach Einbruch der Dämmerung.
Unmittelbar nach Abschluss der Kooperationsvereinbarung begann der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V., die betroffenen Landwirte mit dem Projekt vertraut zu machen, für eine hamstergerechte Bewirtschaftung zu gewinnen und konkrete Möglichkeiten der einzelnen Landwirte, sich in das Projekt einzubringen, zu prüfen. Dazu wurden den Landwirten in Einzelgesprächen die Ergebnisse der Hamsterkartierungen vorgestellt. Auch wurden sie über die Notwendigkeit der Begehung der Ackerflächen und über bestehende rechtliche Probleme zwischen Kartierer und Landwirt informiert. Etwa zehn landwirtschaftliche Betriebe konnten bis 2009 dafür gewonnen werden, am Hamsterprojekt teilzunehmen. Zu den Verpflichtungen der Betriebe gehören zum Beispiel:
- Anbau von Hafer auf mehreren Schlägen, und zwar jeweils auf einem 9 Meter breiten und 650 Meter langen Streifen zwischen Zwiebeln beziehungsweise Zuckerrüben.
- Streifenweiser Anbau von Hafer als Deckung und Nahrung für den Feldhamster auf Schlägen, wo Mais angebaut wird.
- Durchführung des Scheibens abgeernteter Flächen erst eine Woche nach der Ernte bzw. in einer Schlechtwetterperiode.
- Verzicht auf das Scheiben abgeernteter Rapsschläge.
Seit 2007 sind schon 1,5 km Hamsterstreifen angelegt worden. Zwischen 2008 und 2010 hat die Maßnahmenfläche ständig zugenommen. Dass bereits im Jahr 2010 auf einer Fläche von über 400 Hektar hamstergerechte Bewirtschaftungsmaßnahmen durchgeführt werden, ist ein schöner Erfolg des Projekts.


